Kategorie: Der Krebs

Erinnerungsfetzen #1: Ein Trauma verarbeiten

28 Monate und 19 Tage sind seit Mamas Todestag vergangen. Und kein einziger der 872 Tage, an dem sie nicht mindestens ein Mal in meinen Gedanken auftauchte. Von heute auf morgen wurde ich aus dem Leben gerissen und zum Erwachsensein gezwungen, verpasste gegen Ende der Schulzeit die feuchtfröhlichsten Parties und alle anderen dummen, aber witzigen Dinge, die eine Jugend ausmachten, wurde stiller und fiel in ein riesiges Loch. Ich habe mir sofort professionelle Hilfe geholt. Jemanden wildfremdes mit dem ich über Gott und die Welt sprach, sofern mir überhaupt nach Reden war. Und es half, die kreisenden Gedanken aus dem Kopf zu ziehen um nicht noch tiefer zu fallen und mich vollends zu verschließen.

    Dieser Blog war immer eine Plattform für meine Gedanken, eine Art Therapie und Tagebuch für mein Teenager-Ich, aber zu dieser Zeit fehlte mir die Kraft zum Runtertippen.

Die unzähligen Gespräche waren nervenauftreibend genug. Mein Fokus lag vollkommen woanders. Der Wettlauf mit der Zeit begann und ich nutzte die letzten Monate mit meiner Mama, um Seite an Seite mit ihr zu kämpfen. Deshalb hörte ich hier auf.
Es gibt Foren, wie der Krebskompass, in denen sich Betroffene, Angehörige und Hinterbliebene austauschen, sich gegenseitig unterstützen und ermutigen. Aber vor allem eins: Alles niederschreiben und für immer festzuhalten. Ich war mehrmals kurz davor mich auch in so einem Forum anzumelden, zusätzlich zur Gesprächstherapie und weil ich miserabel im privaten Tagebuchschreiben bin, entschied mich jedoch dagegen und verbannte die Seiten aus meiner Googlesuche. Weil mich die traurigen Geschichten verrückt machten und ich zu große Angst hatte, mich eines Tages bei den Hinterbliebenen einzureihen. Jeder Krebsverlauf ist schließlich anders und ich glaubte bis zum Ende ganz fest an ein Wunder. Dass ausgerechnet wir zu den 1% gehörten, die mit dieser Diagnose die 5-Jahres-Hürde überwinden konnten. Ich denke diese Hoffnung sollte jeder besitzen, es macht die Reise erträglicher und das große Los wird doch öfter ausgeteilt, als man mitbekommt.
Die Reise mit meiner Mama ist jedoch zu Ende gegangen, was blieb, ist eine Wunde, die auch heute noch nicht geheilt ist und phasenweise kräftig blutet. Auch wenn ich die 18 Monate, vollgepackt mit Krankenhausaufenthalten und Tränen, als sehr intensiv empfand, bemerke ich doch langsam, wie meine Erinnerungen verschwinden. Weil das Leben für mich weiterging und seitdem viel passiert ist.

    Es sind bald nur noch wenige Fetzen da, deshalb setze ich mich nun hin und versuche meine Erinnerung zu rekonstruieren.

Nicht weil ich in meiner Vergangenheit gefangen bin – ich konnte sie bereits akzeptieren, habe längst wieder angefangen zu leben, lieben und zu lachen –, sondern weil es mir wichtig ist, die letzten Erinnerungen an den wichtigsten Menschen in meinem Leben, für immer zu behalten. Vielleicht kann ich somit mein Trauma endgültig verarbeiten. Und vielleicht kann ich mit meiner Geschichte und meinem Blog anderen Hinterbliebenen Mut machen und zeigen, dass es sich lohnt, weiter zu machen.

Startschuss ins neue Jahr und ein Kalender für 2015

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Das Jahr fängt immer mit Mamas Geburtstag am 2. Januar an. Für mich war es total unverständlich, dass die vielen Stimmen um mich herum versucht haben, mich davon abzuhalten eine kleine Feier zu veranstalten. Der Todestag kann doch niemals wichtiger sein, als der Geburtstag oder ihn ablösen! Mit guter Laune und vielleicht auch ein bisschen trotzig ließ ich also einen Strauß binden und musste schmunzeln, als die Schlange hinter mir genau den gleichen haben wollte. Ich räumte das Haus auf, zündete Kerzen und Räucherstäbchen an und versuchte mir einen schönen, ruhigen Tag zu machen, bevor die Arbeit wieder anfängt.

Über die vielen Feiertage erstellte ich mir in Indesign einen neuen Kalender für 2015 und ließ ihn hier  mehrmals als Poster ausdrucken. Ein bisschen motivierende Farbe im Zimmer schadet nie und mehr Überblick sowieso nicht. Das Aufstellen war dann auch schon der Startschuss ins neue Arbeitsjahr. Es steht so viel an, die Uniaufgaben türmen sich und die Zeit rennt mir jetzt schon davon. Deshalb: ran an die Arbeit!

office_interior, Kalender für 2015
office_interior1, Kalender für 2015
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Mein Weihnachten 2014

Das Jahr endete für mich mit einem wunderschönen und traurigem Weihnachten zugleich. Wunderschön, weil ich mir viel Mühe gegeben habe um mich selbst und andere in Weihnachtsstimmung zu bringen und weil es etwas besonderes war endlich wieder in Ruhe zusammen zu sitzen, gemeinsam zu kochen, zu frühstücken, zu fernsehen, gemeinsam zu lachen, Freunde treffen, ausgelassen zu feiern und pausenlos gutes Essen zu genießen. Obwohl man im selben Haushalt wohnt, kommen solche gewöhnlichen Dinge oftmals zu kurz, weil jeder viel Arbeit um die Ohren hat. Daher haben die Weihnachtstage immer einen immens hohen Stellenwert bei mir.

Und traurig war es deshalb, weil Mama so sehr wie nie zuvor gefehlt hat. Während ich das erste Weihnachtsfest noch sehr nach vorne blickend und auch ein Stück weit erleichtert gefeiert habe, realisierte ich diese Weihnachtszeit nun, dass ich all die schönen Momente nicht -zumindest nicht physisch- mit ihr teilen kann. Es ist so viel passiert und die ganzen Veränderungen hätte ich ihr gerne ganz stolz gezeigt. Meine neue Frisur beispielsweise oder meine Pralinenkreationen.

Es fehlte immer das Quäntchen Wärme und Liebe, das sie mit ihrer Anwesenheit beigesteuert hätte, um die Weihnachtszeit perfekt zu machen. Öfter als je zuvor in den vergangenen 1,5 Jahren seit ihrem Tod musste ich mich aus den Träumen reißen, mir auf die Brust klopfen, tief durchatmen und die Vergangenheit beiseite schieben. Aber das Trauern hat auch seine schöne Seiten: es beruhigt mich, zu wissen, dass alle Erinnerungen an den wichtigsten Menschen in meinem Leben und die Gefühle zu ihm noch da sind.

Weihnachtsfest
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