Über meinen Sommer in Hamburg und lebensverändernde Erkenntnisse

Wir gingen zum letzten Mal swingtanzen und standen danach, uns gegenseitig wärmend, am Jungfernstieg um mit vielen weiteren Zuschauern das Stadtfeuerwerk zu bestaunen. Hamburg sparte beim Alsterfest an keiner Stelle. So ein riesiges, glitzerndes Gala-Feuerwerk überm Wasser habe ich noch nie zuvor erlebt. Mein Sommer in Hamburg war zu schön um an dieser Stelle schon zu Ende zu gehen. Ich weinte wie ein Schlosshund, ließ mir die Tränen wegküssen und lachte. Vor Glück und Dankbarkeit. Weil ich diesen Sommer in Hamburg verbrachte, endlich auf Gleichgesinnte stieß und mich somit ein Stück weit selbst gefunden habe.

Das Leben, wie es für mich sein sollte
In Hamburg führte ich das Leben, wie es für mich sein sollte. Das Leben, das mir zusteht, was ich nun aufgrund der Uni jedoch wieder pausieren muss oder nur zerstückelt genießen kann: Jeden Tag meinen Traumberuf als Fotografin ausführen und meine Karriere voranbringen, Geschichten sammeln, inspirierende Menschen und Freunde um mich herum haben, Ausstellungen und Lesungen besuchen, gutes und gesundes Essen zu mir nehmen, tanzen, sporteln, Fahrradfahren, einen Haushalt mit meinem Freund teilen, abends Wein trinken. Alles so intensiv, dass ich mich an jeden Tag, jede Begegnung und jede Aktivität genau erinnern kann. Es war ein Beweis dafür, dass ich es schaffe ein eigenständiges, achtsames Leben zu managen und mich mit meiner Selbstständigkeit zu finanzieren.

Die Macht des richtigen Umfelds
Ein weiterer Aspekt, weshalb es augenöffnend war, einige Zeit in einer anderen Stadt zu leben: Mir wurde zum ersten Mal bewusst, wie viel das richtige Umfeld zum eigenen Wohlbefinden und Selbstbewusstsein beiträgt. In dieser anderen Stadt hatte ich die Möglichkeit mich nur mit Menschen zu umgeben, die mir guttaten. Ich saß in keiner Institution fest und wählte deshalb mein Umfeld komplett selbst aus. Ich hielt die Ohren und Augen auf, traf Bekanntschaften aus dem Internet, sprach mit Ladenbesitzern, fragte Künstlern Löcher in den Bauch und hatte das große Glück, zufällig und relativ schnell auf Gleichgesinnte zu treffen.

Die für mich und meine Bedürfnisse richtigen Menschen gaben mir bei jedem Treffen so viel Energie mit. Sie motivierten mich vorwärts zu gehen, aus mir herauszukommen, mehr zu experimentieren, größer zu denken, größer zu träumen, meine Sehnsüchte zu stillen und mein Handeln nicht davon bestimmen zu lassen, was andere von mir denken.

Sie klopften mir auf die Brust und machten mich mutiger, indem sie mir all das oben genannte tagtäglich vorlebten. Keine Hindernisse kennen, sich keine eigenen Grenzen setzen und „einfach machen“ ist ja so aufregend und beflügelnd. Etwas, das jedem eigentlich klar sein sollte (schließlich kursieren auf Pinterest und Tumblr etliche motivierende Sprüchebilder) und ich dennoch erst diesen Sommer anfing zu verstehen und umzusetzen. Weil ich es direkt vor mir sah und das richtige Umfeld es mir erleichterte. Endlich ließ ich mich fallen und verliebte mich in das Leben.

Zahlreiche Hamburgeindrücke findet ihr auf meinem Instagramaccount @juliasangnguyen und unter dem Hashtag #juliastravelguide

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12 Kommentare

  1. Ich verfolge schon soo lange deinen Blog, aber schreibe immer viel zu wenig Kommentare, liebe Julia. Ich freue mich, dass Hamburg dich so glücklich macht und du dir ein Stück näher gekommen bist. Es ist manchmal unglaublich, wie manche Menschen einen beeinflussen können – positiv als auch negativ. Ich lebe, aufgrund meines Studiums, seit zwei Wochen in einer neuen Stadt und ich weiß, ich kann nicht so viel erwarten in der kurzen Zeit, aber ich wünsche mir, dass es mir ein bisschen wie dir ergehen wird..
    Alles Liebe,
    Celine

    • Liebe Celine, ich freue mich gerade sehr über deinen Kommentar und wünsche dir von Herzen, dass du in deiner neuen Stadt Gleichgesinnte findest, in deren Gegenwart du dich, auch ohne laute Worte, verstanden und angenommen fühlst. Bin mir sicher, dass du dieses leichte und positive Leben ebenfalls findest, wenn du stets offen für alles bleibst und dir immer wieder einen Ruck gibst, um Sachen zu machen, die entweder außerhalb deiner Komfortzone liegen oder dir zuvor fremd waren. Es steht dir schließlich zu dich auszuleben. Aber ich wünsche dir auch den Mut, dich von Bekanntschaften zu lösen, die dir keinen Mehrwert geben oder dich sogar auslaugen.

  2. Sehr schön geschrieben. :) Ich habe deine Erfahrung, dass das Umfeld eine große Rolle beim Wohlbefinden spielt, beim Reisen erlebt. Ich bin in eine Stadt gekommen, in der ich meine Zeit mehr als Einheimische als eine Touristin verbracht habe. Ich habe mich so unglaublich wohl gefühlt dort, als wäre ich endlich zuhause angekommen. Mal gucken wohin mich die Zukunft verschlägt :)

  3. Ach das freut mich sehr, dass zu lesen! Ich habe auch etwas Zeit gebraucht, bis ich einsah, dass meine Heimatstadt nicht das richtige Umfeld ist. Seit ich in Berlin lebe, merke ich wie sehr ich diese Stadt doch liebe. Gerade jetzt in Finnland bin ich umso zuversichtlicher, dass Berlin der Ort ist, an dem mein Herz am höchsten schlägt. <3

    Wünsche dir, dass du bald dahin ziehen kannst und es nicht so arg vermissen musst.

    Liebste Grüße aus dem kalten Kuopio, der 8-größten Stadt Finnlands! :D

  4. Oh Julia, ich freu mich so unglaublich für dich! Denn deinen Blog lese ich seit 2007/2008 (?), es ist so schön zu sehen und lesen, wie du dich entwickelst.
    Ich kann das alles so gut nachvollziehen – Hamburg bringt mein Herz auch immer zum höher Schlagen. Ende nächsten Jahres wird es hoffentlich endlich soweit sein und ich ziehe dorthin.

    Ich wünsche dir, dass es bald klappt und du die Zeit bis dahin trotz allem gut „überbrückst“ :)

  5. Das klingt so wundervoll und ich bin mir sicher, dass du deinen Weg gehen und DEIN Leben leben wirst!
    Ich kann alles, was du schreibst, so gut nachvollziehen. Dieses Verlieben in das Leben und die Projekte, die man mit so viel Begeisterung durchzieht. Mir hilft es auch unglaublich, mich mit anderen (kreativen) Köpfen auszutauschen. Darum ist es für mich umso wichtiger, in meiner aktuellen Stadt solche Leute zu finden. Das fällt mir bloß etwas schwer :/ Aber es wird. Es wird. Auf alle Fälle: Danke für einen weiteren wundervollen Text! Ich weiß noch, wie ich deinen Blog damals um meine Abizeit herum entdeckt hatte (muss wohl Anfang 2010 gewesen sein) und ich war mir immer sicher, dass du dein Ding machen würdest. Ich drücke dir die Daumen!

  6. Das klingt großartig – manchmal muss man einfach das machen, was einem gut tut und darf einfach keine Angst vor Entscheidungen haben. Schön! :)

  7. Schöne Worte! Du hast Recht, von dem richtigen Umfeld hängt so viel ab. Ich würde sogar behaupten, dass es sogar erst das richtige Umfeld ist, dass einen Ort zu einem Zuhause macht. Umso schöner zu lesen, dass du in Hamburg ein Stückchen Zuhause finden konntest! :)
    Liebe Grüße,
    Alisa von http://www.zeitvergessen.net

  8. Liebe Julia…wunderschön beschrieben! Da hüpft mein Herz vor lauter Freude, dass dir meine geliebte Heimatstadt so gut tut, sie ist nämlich auch Balsam für meine Seele… ;)
    Herzliche Grüße aus Hamburg, Steffi

  9. Hallo liebe Julia! Ich habe zwei Fragen an dich. Erstens: Kann man deinen Blog irgendwie in chronologischer Reihenfolge ansehen? Auf deiner Startseite erscheinen immer nur zufällige beiträge, so weiß ich nie genau, wann es was neues von dir gibt.
    Zweitens: Ich möchte mir gerne eine Kamera zulegen. Ich habe auch vor, mich für kommunikationsdesign zu bewerben, von daher sollte sie dafür gut genug sein, allerdings bin ich einsteiger und brauche deshalb auch eine entsprechend „simple“ kamera. Du hattest mal vor einigen Jahren einen Beitrag dazu geschrieben, in der du auch meintest, dir bald die nikon D3100 anschaffen zu wollen. Meine Frage: Meinst du die ist immer nich empfehlenswert oder ist die mittlerweile „überholt“? Schwanke zwischen ihr und der Nikon D5500

    Würde mich freuen, wenn du Zeit findest, mir zu antworten. Dein Blog ist total inspirierend!
    Liebe Grüße

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