Press Enter / Return to begin your search.

Foto 24.01.14 12 14 18

Mittlerweile ist es mehr als zwei Jahre her, aber ich kann mich noch so gut daran erinnern, als wäre es erst gestern gewesen…

Es war an einem Novembertag, der grauer nicht hätte sein können, als ich von der Schule kam, meine Mama gedankenversunken am Herd stand, ich sie nach ihrer Magen- und Darmspiegelung fragte und sofort wusste, dass etwas nicht in Ordnung war. Als sie mir mitten in der Küche von ihrer Krebsdiagnose erzählte und in Tränen ausbrach zerbrach auch bei mir die Welt.

Alles war so gut: Meine Mama hatte immer ein sehr anstrengendes Leben und ging nun endlich in ihrer Arbeit auf, wir kauften uns ein teures Auto und endlich High-End Produkte, das Familienleben war harmonischer wie nie zuvor, ich schrieb gute Noten und das Abi war nicht fern…und mit einem Schlag verabschiedete sich das leichte und sorgenfreie Leben.

Magenkrebs ist ein sehr heimtückischer Krebs, der lange ohne jegliche auffälligen Symptome vor sich hinwächst und so war es auch bei meiner Mama. Die Bilder der Magenspiegelung brannten sich in mein Gedächtnis, unglaublich, dass ein 2x2cm großer schwarzer, schleimiger Fleck innerhalb der nächsten 1,5 Jahren so viel Schaden anrichten sollte und noch unglaublicher für mich, dass die Ärzte schon zum Zeitpunkt der Diagnose nicht mehr von Heilung redeten. Der Krebs hatte bereits gestreut und befand sich in der Blutbahn. Menschen können zum Mond fliegen, Atome spalten und Schafe klonen, aber warum noch keinen Krebs in diesem Stadium heilen? Ein Gedanke bei dem mir sofort die Tränen in die Augen schießen.

Außenstehende können sich nur schwer vorstellen wie anstrengend es ist Krebs zu haben oder jemanden mit Krebs zu begleiten, sowohl physisch als auch psychisch. Die Angst vor dem Ende am Anfang, das Loch in das man zunächst fällt, die vielen Krankenhausaufenthalte, diese immens große Angst vor dem Ergebnis jeder neuen Kontrolluntersuchung, den richtigen Umgang mit dem Krebskranken zu finden, sich gegenseitig aufmuntern, aber auch gemeinsam traurig sein, Aufatmen und innerhalb von kürzester Zeit plötzlich wieder am Boden zerstört sein.

Meine Mama wurde letzten Mai zum Glück vom Krebs erlöst. Und auch für mich bedeutet dieser Verlust eine Befreiung vom Leiden. Die 1,5 Jahre Gefühlsachterbahn fahren haben mich wachgerüttelt und mir gezeigt wie schnell sich ein Leben ändern kann, wie wertvoll jede einzelne Minute im Leben ist und dass Krebs jeden treffen kann, egal wie gesund man davor gelebt hat.

Natürlich ist das jetzt ein Extremfall, denn nicht jeder Krebs ist unheilbar, auch die aggressivste Krebsart kann geheilt werden, wenn sie früh entdeckt wurde. Ich lese sehr gerne naturwissenschaftliche Zeitschriften und Artikel, freue mich über jeden, wenn auch winzigen Fortschritt in der Forschung und bin zuversichtlich, dass eines Tages ein Mittel erscheint, welches das viele Leiden beenden und die hohe Sterberate senken wird.

Informiert euch bitte auch über Krebs, es ist ein wirklich wichtiges Thema.
Deutsche Krebshilfe
Krebs-Kompass

25 thoughts on “Weltkrebstag”

  1. Hallo Julia,

    meine Mama ist auch an Krebs gestorben. Am 07.03.2012. Lugenkrebs.
    Ich musste das ganze 5 Jahre lang aushalten. Das ganze Auf und Ab, die ganzen Hoffnungen, die letzendlich doch geplatzt sind, das ist so schwer. Ich vermisse meine Mama so und bin so dankbar, dass ich sie hatte.

    Jedenfalls wollte ich dir sagen, wie unglaublich mutig ich es von dir finde, so offen darüber zu reden. Ich hatte (habe) da echt ziemliche Probleme mit und bewundere dich so dafür. Du hast meinen größten Respekt.

    Liebe Grüße und alles alles Gute für dich.

    Franzi

    1. Danke für deinen Kommentar!
      5 Jahre klingen nach sehr viel Kraft, ich weiß nicht, ob ich das geschafft hätte.
      Ich vermisse meine Mama auch unbeschreiblich und denke jeden Tag an sie, aber unseren Mamas geht es da wo sie jetzt sind bestimmt sehr gut.

  2. Wow wieder einmal ein toller Text liebe Julia!
    Ich kann das alles sehr gut verstehen!! Meine Mama ist im Juli von uns gegangen (Leukämie) und selbst nach 6 Monaten fühlt sich die Erinnerung so an als wäre es erst gestern gewesen!!
    Wie auch du war ich erleichtert als meinen Mama sterben durfte nach 2 Jahre langem leiden! So einen Leidensweg wünscht man echt keinem!!

    Liebe Grüße aus München
    Marina

  3. Hallo Julia,
    ein sehr schöner Text, der mir Tränen in die Augen schießen lässt. Auch meine Mutter hatte Krebs, ist aber nicht daran gestorben, nicht so wie deine. Dafür von mir mein herzlichstes Beileid. Sie hatte unfassbares Glück, da sie in dem besagten Jahr vor 7 Jahren sowieso zur Krebsvorsorgeuntersuchung musste und der Krebs zwar schon groß war und sehr viel entfernt werden konnte, aber letztendlich doch besiegbar. Ich kann es nachvollziehen, durch welches Tal der Tränen man gehen muss, wenn man jemanden begleitet, der Krebs hat (gerade während der Abi-Zeit, da kurz vor meinen Prüfungen das diagnostiziert wurde).
    Ich wünsche dir noch alles Gute und ganz viel Kraft, gerade an Tagen, an denen du sehr an deine Mutter denkst und sie vermisst.

    liebe Grüße
    Carolin

  4. Liebe Julia,
    vielen Dank, dass du deine Geschichte.mit uns teilst. Meine Mama kämpft momentan noch, aber dieses ständige auf und ab geht wirklich an die Substanz.
    Alles Gute für die Zukunft

  5. Ein sehr berührender Text bei dem mir Tränen in die Augen schossen, denn auch ich habe einen Fall von Krebs in der Familie. Mein Vater erkrankte 2011 das erste mal an Darmkrebs. Im September 2013 das zweiter Mal. Leider war mein Vater ein „Versuchskaninchen“ für eine neue Therapieart, die sogenannte Hyperthermie. Die Ärzte versprachen das der Tumor um die Hälfte schrumpft, doch leider wurde er nur größer. Er wucherte in den Beckenbereich weiter und drückte auf die Blase. Die Blase und weiter Organe wurde entfernt, aus Vorsicht (bei diesem Gedanken werde ich ziemlich aggressiv) denn der Krebs hat weder gestreut noch andere Organe befallen. Heute lebt er ganz normal mit 2 künstlichen Ausgängen (Darm & Blase). Es war zwar eine ziemliche Umstellung, aber er hat es geschafft!
    Ich hoffe der Text war nicht zu viel.
    Ich schicke dir ganz viel Kraft und in deinem Herzen lebt deine Mama weiter!
    Liebe Grüße, Lou

  6. Ich habe im näheren Umfeld bisher zum Glück noch absolut gar nicht mit Krebs zu kämpfen gehabt – doch da fühlt man sich mittlerweile, als sei man eher einer der Wenigen, der so sehr davon verschont wurde. So viele entferntere Freunde haben Elternteile oder Geschwister verloren, Großeltern oder sogar Kinder … erschreckend.

    Ich bete, dass es so bleibt und hoffe, dass irgendjemand irgendwann etwas entdeckt oder erfindet, das uns allen die Angst vor Krebs nimmt.

    Ein sehr schöner persönlicher Beitrag. Danke dafür. Manchmal tut es gut, von tieferen Dingen als Körperlotion und Nagellack zu lesen.

    Maria

  7. Liebe Julia, ich danke dir für diesen Text und ich bewundere dich dafür, dass du so offen mit diesem schrecklichen Thema und deinem schlimmen Verlust umgehst. Meine Oma starb vor mittlerweile zwei Jahren an Brustkrebs, nachdem sie drei Jahre lang gegen den Krebs gekämpft hatte. Ich stand ihr sehr nahe, sie war wie eine zweite Mama für mich und sie fehlt mir jeden Tag. Trotzdem bin ich froh, dass sie (genauso wie deine Mama und all die anderen geliebten Menschen, die viele von uns verloren haben) nicht mehr leiden muss. Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft! Alles Liebe, Isa

  8. Liebe Julia,
    ich bewundere dich sehr für deine Kraft und deine Stärke. Ich wünsche dir von ganzem Herzen nur das Beste für deine Zukunft und bin mir ganz sicher, dass deine Mama dort, wo sie jetzt ist, ganz ganz stolz auf dich hinunterschaut.
    Liebe Grüße
    Dani

  9. Meine Oma starb noch vor meiner Geburt an Leberkrebs und meine Ma musste sie auch pflegen und hat das alles durchgemacht. Letztes Jahr hatte ich Krebs, der zum Glück früh genug erkannt und operativ entfernt wurde. Eine Arbeitskollegin hat jetzt Lymphdrüsenkrebs besiegt, worüber wir alle sehr froh sind. Krebs ist scheiße, ein mieses hinterhältiges biestiges Ding. Es tut mir sehr leid für deinen Verlust, finde es aber gut, dass du so offen darüber schreibst. Ich werd dieses Jahr auch an die Deutsche Krebshilfe spenden. Das klingt alles so abgehackt, aber mir fällt das bei dem Thema auch schwer die richtigen Worte zu finden; meist werd ich nur wütend.

  10. Sehr ergreifend! Musste wirklich die Tränen zurückhalten!
    Mein Opa hatte Bauchspeicheldrüsenkrebs & das war auch aussichtslos. Er hat sich geweigert, sich untersuchen zu lassen – wollte daheim bleiben. Eine Woche lag er dann im Krankenhaus bis er dann letztendlich dort gestorben ist & wir erst dann erfahren haben, dass es diese Art von Krebs war… Es war wirklich eine Erlösung. Doch er war in einem Alter, wo er das aller meiste schon erlebt hat: Kinder, Enkelkinder, Rente.
    Deine Mama hatte sicherlich noch viel vor & das schmerzt wohl am meisten!

  11. Liebe Julia,
    ich danke dir für deinen Mut und den bewegenden Krebs. Zum Glück musste ich bisher im näheren Umfeld noch nicht mit der schlimmen Diagnose und Situation umgehen. Ich bete dafür, dass es so bleibt.
    Ich wünsche dir alles alles Gute :-)
    Deine Namensvetterin Julia

  12. In meinem Bekanntenkreis ist bisher noch niemand an Krebs erkrankt, dafür bin ich so dankbar.
    Das Gefühl des Verlustest kann ich jedoch nachvollziehen. Sowohl meine Oma als auch meine beste Freundin sind gestorben. Ich kann mir kaum vorstellen, wie schrecklich es sein muss, Monate und Jahre lang damit umgehen zu müssen, dass eine geliebte Person dem Tod sehr nahe ist und man in ständiger Hoffnung und Enttäuschung lebt.
    Meine beste Freundin ist plötzlich gestorben, ich konnte mich nicht mal wirklich verabschieden. Ich weiß nicht, ob es für mich leichter gewesen wäre, wenn es nicht so plötzlich gekommen wäre, aber ich weiß, dass das Wissen, dass eine geliebte Person sterben wird und leidet, einem größeres Leid zufügt als letztlich der Tod.
    Ich wünsche jedem Kraft, der einem solchen Schicksal ausgesetzt ist. Vorallem die Kraft, sich niemals selbst aufzugeben und nicht an der Trauer zu zerbrechen.

  13. Meine Mutter bekam im Sommer 2012 auch Magenkrebs. Bei ihr konnte man es jedoch mit einer radikalen Operation entfernen und damit auch den ganzen Magen. Ich bin so froh dass sie lebt, aber trotzdem sehe ich sie jetzt immernoch leiden. Ohne Magen ist jede Mahlzeit kein richtiges Essen, das Wort „Genuss“ gibt es beim Essen nicht mehr, Hungergefühl hatte sie seit dem nie mehr. Und abgenommen hat sie. Und es wird immer mehr, da es jetzt wieder Probleme beim Essen und Schlucken gibt. Eine Zeit lang war alles super und jetzt sehe ich ihr an wie schwach sie ist, weil sie nichts essen kann. Und Mädchen die sich ihre Diät reinziehen als wäre es der Sinn es Lebens machen mich so wütend deswegen!
    Ich hoffe einfach nur, dass es endlich wieder mal aufwärts geht…

  14. Liebe Julia,
    ich finde es bewundernswert, dass du so öffentlich mit dem Thema umgehen kannst. Meine Oma, die ich seit meiner Geburt jeden Tag gesehen habe, ist 2008 nach kurzer Zeit an Darmkrebsfolgen gestorben. Auch ich habe in diesem Jahr mein Abitur geschrieben und obwohl ich ihren Tod ‚verdrängen‘ konnte, wurde mir bei den Feierlichkeiten selbst bewusst, dass sie nicht mehr da ist und nie wieder wichtige und unwichtige Momente mit mir erleben wird.
    Ich frage mich immer wieder, ob ich darüber froh sein sollte dass sie nicht lange leiden musste (es war ca. 1 Monat) oder ob ich mir wünsche, dass ich trotz Leiden noch etwas mehr Zeit mit ihr gehabt hätte, auch wenn dieser Gedanke sehr egoistisch ist. Es ging sehr schnell, sie hat durch die Folgen dieses Krebses eine bakterielle Infektion, die in ihrem ganzen Körper gewütet hat. Selbst der behandelnde Arzt meinte, dass er solch einen Krankheitsverlauf noch nicht gesehen hat. Lediglich, dass sie ins Koma gefallen ist, lässt mich jetzt noch hoffen, dass sie nicht zu viele Schmerzen ertragen musste.

    Ich wünsche dir sehr, dass du so etwas nie wieder durchleben musst! Und außerdem, dass du weiterhin so offen darüber redest, denn das ist so wichtig – auch um andere darauf aufmerksam zu machen!

  15. Liebe Julia,

    du hast meinen allergrößten Respekt. Du scheinst dein Leben anscheinend „perfekt“ im Griff zu haben. Du kannst offen über vergangene Geschehnisse reden. Du schmeißt den Haushalt und studierst dein Traumfach.
    Mein Vater starb am 06. Mai 2006. Ich war 13. Es war schwer – aber ich hatte ja noch meine Mutter. Ich habe sie auch jetzt noch. Umso mehr Respekt bringe ich dir entgegen, denn du scheinst ja leider allein zu sein. „Allein“ ist ein böses Wort – ich meine, deine Schwester und deinen Lieblingsjungen hast du ja glücklicherweise an deiner Seite.
    Ich wünsche dir viel Kraft und Erfolg für die Zukunft!

  16. Ich habe so einen immensen Respekt vor deinem Schicksal und mit wie viel Kraft und Würde du diesen schmerzhaften Verlust auf dich nimmst, ich weiß deine Mama kann sehr stolz auf dich sein!

  17. I am writing this time in English, as it is still better than my German. This was a very honest and vulnerable post to share and I value your courage and your family’s courage during those difficult 1 and a half years and your continued strength. I am very happy to hear that your mother is doing better. I have also heard (important to me as I am asian as well) that stomach cancer is very serious for Asians in particular. More awareness needs to be made about it so we go to regular check ups at a certain age.

    rae from lovefromberlin

    1. I am very sorry I read the german wrong (not my mother language). I didn’t realize your mother passed away, until i read it again. I am so sorry but I hope she has found some peace from pain now.

      It really goes without saying, there really needs to be some campaigns about stomach cancer and it’s prevalence in the Asian communities in non-Western countries. In Japan people get screened regularly, but I only just learned about stomach cancer and it’s connection to Asians a few months ago.

      i hope you can continue to be strong and I have so much respect for you

  18. Seine Mutter zu verlieren muss furchtbar und unvorstellbar sein. Es tut mir sehr Leid für dich. Ich habe meine Oma 2007 verloren an Lungenkrebs. Sie war für mich meine zweite Mama und ich denke noch heute jeden Tag an sie und trage sie als kleinen Schmetterling auf meinem Körper.

    Ich wünsche dir alles Liebe auf deinem Lebensweg. Du bist eine ganz wundervolle Tochter für deine Mama im Himmel!

    Liebe Grüße von
    Marie von http://www.mariegegenkrebs.blogspot.de

  19. Hallo, noch kann ich es mir nicht vorstellen ein geliebten Menschen zu verlieren. Mein Papa hat auch Magenkrebs seit dem ich 15 bin vielleicht auch schon länger, sie haben es erst spät gemerkt. Naja bei ihm sind auch keine Heilungschancen. Ich meine seine Metastasen sind zum Glück verkapselt von der Bestrahlung und doch gibt es immer Höhen und tiefen wo ich angst kriege, aber ich kann mir vorstellen wie du dich gefühlt hast. Bei mir ist es so das ich es nicht akzeptieren kann das er stirbt weil ich den Tod nicht akzeptiere. Ich bin immer wieder verblüfft wie andere menschen und du es schaffen damit umzugehen, ich möchte es auch gerne können. Das heißt nicht das man nicht trauern soll doch man sollte es lernen ein wenig zu akzeptieren das es so gekommen ist. Leider sind die Fortschritte in der Medizin nicht soweit das man sowas immer heilen kann aber was man weiß, ist das es auch wichtig ist und zu der Lebenserwartung oder Heilung beträgt das man den glaube nicht verliert trotzdem weiß das man geliebt wird und es schaffen kann. Mein Papa wäre schon längst nicht mehr da wenn er nicht so hartnäckig wäre ich habe noch gluck das er fast alles noch machen kann doch die angst das es so extrem schlecht wird in einer kurzen zeit bleibt. Ich bewundere dich das du so stark bist und das ausgehalten hast. Ich wünsche dir ganz viel Glück auf deinem Wege und hoffe das dir so etwas nicht mehr passiert! Viele liebe grüße Melody

Kommentar verfassen

Follow

Get every new post delivered to your Inbox

Join other followers